Anime nackt: Von Ecchi bis Hentai – Klassiker, Zensur und Fan-Kultur

Anime nackt ist kein einheitliches Genre, sondern ein Spektrum. Es reicht vom kurzen Fanservice-Moment in einer Actionserie bis zum expliziten Hentai, der in Japan nur mit Mosaik verkauft werden darf. Wer nackte Anime sucht und die Szene kennt, unterscheidet deshalb sehr genau: Was zeigt eine Serie, was deutet sie an, und was ist erst auf der Blu-ray zu sehen? Dazu kommen außerdem große Werke mit erwachsenen Heldinnen, die seit Jahrzehnten Fan-Kunst prägen. Und schließlich gibt es eine Doujin-Kultur, die zweimal im Jahr Hunderttausende Menschen nach Tokio zieht.

Was anime nackt umfasst: von Fanservice über Ecchi bis Hentai

Die unterste Stufe ist zunächst Fanservice. Der Begriff stammt aus der japanischen Anime- und Mangaszene. Er meint also Material, das bewusst eingebaut wird, um dem Publikum zu gefallen. Klassisch ist das sexuell gemeint: knappe Outfits, Posen oder Situationen, gelegentlich mit teilweiser oder vollständiger Nacktheit. Fanservice funktioniert allerdings als Einschub, denn die Handlung braucht ihn nicht. In Japan nennt man ein solches Bild außerdem „Service Cut“.

Eine Stufe darüber steht Ecchi. Im Japanischen ist das Wort weicher als „ero“ und klingt eher nach „frech“ oder „unanständig“. Westliche Fans bezeichnen damit Werke mit sexuellen Untertönen. Solche Werke zeigen allerdings weder Geschlechtsverkehr noch Genitalien. Typische Muster sind zum Beispiel Szenen unter der Dusche, im Onsen oder Kämpfe, bei denen Kleidung zerreißt.

Wie viel Haut zu sehen ist, schwankt jedoch stark. Manche Serien zeigen zwar Brüste, verdecken aber Brustwarzen und Intimbereich mit Requisiten, Kleidung oder Effekten. Das Nasenbluten als Reaktion eines Mannes ist übrigens der bekannteste Running Gag des Genres.

Ganz oben steht schließlich Hentai. Das Wort bedeutet ursprünglich „Abweichung“ oder „Verwandlung“. Im Westen bezeichnet es dagegen pornografische Anime und Manga mit expliziten Bildern und Handlungen. In Japan selbst spricht man eher von „18-kin“-Anime, also Werken ab 18. Alternativ kürzt man mit „H“ ab, etwa H-Anime und H-Manga.

Die Geschichte ist außerdem älter als viele denken. Der früheste bekannte pornografische Animationsfilm Japans, Suzumi-bune, entstand 1932. Allerdings wurde er halbfertig von der Polizei beschlagnahmt. Als Wendepunkt beim Manga gilt dagegen Hideo Azumas Cybele von 1979.

Für Fans ist diese Einordnung daher praktisch. Ecchi findest du im regulären Programm und im Streaming. Hentai bewegt sich dagegen im Bereich der Werke ab 18. Als erste erotische OVA, also als Anime direkt für den Videomarkt, gilt eine Reihe von 1984. Seitdem ist die Videoveröffentlichung der typische Weg für explizite Anime.

Klassiker mit erwachsenen Heldinnen und ihren bekanntesten Momenten

Ernsthafte Fans achten vor allem darauf, dass die Figuren im Original eindeutig erwachsen sind. Die folgenden Werke erfüllen das. Außerdem gehören sie zu den Titeln, die beim Thema anime nackt immer wieder fallen.

Lupin III: The Woman Called Fujiko Mine (2012)

Fujiko Mine wurde von Monkey Punch für den Manga Lupin III geschaffen. Der Manga startete am 10. August 1967 im Weekly Manga Action, also in einem Magazin für erwachsene Leser. Sie ist Berufsverbrecherin und Spionin. Zudem war sie von Beginn an als eine Art „Bond-Girl“ gedacht, das seine Attraktivität gezielt einsetzt. 2007 wählten die Leser von Oricon sie schließlich zur schönsten Frau im Manga.

Die Serie The Woman Called Fujiko Mine lief vom 4. April bis 27. Juni 2012 mit 13 Folgen auf Nippon Television. Sie wird als Anime für Erwachsene eingeordnet. Regisseurin Sayo Yamamoto bekam dabei volle kreative Kontrolle und griff bewusst die erwachsenen Themen des Original-Mangas auf. Takeshi Koike orientierte sich außerdem an den ursprünglichen Figurendesigns. Kotaku nannte sie „einen der, wenn nicht den schönsten Anime, der je gemacht wurde“.

Fujikos Lieblingswaffe ist übrigens eine Browning M1910, die sie meist im Strumpfband trägt. Die Serie gewann zudem 2012 den New Face Award des Japan Media Arts Festival. In Deutschland hat Kazé die Serie lizenziert. Die deutsche Synchronfassung entstand anschließend 2022 in Berlin.

Ghost in the Shell: Motoko Kusanagi (1995)

Major Motoko Kusanagi aus Masamune Shirows Ghost in the Shell ist eine Cyborg mit synthetischer Vollkörperprothese. Als Majorin führt sie außerdem eine Spezialeinheit. Shirow entwarf ihren Körper bewusst als Massenmodell, damit sie nicht auffällt. Für den Film von 1995 machte Charakterdesigner Hiroyuki Okiura sie dagegen bewusst anders: Ihr Körper sei als Cyborg stark und jugendlich.

Für Kenner ist vor allem die Manga-Geschichte interessant. Eine Szene, in der Kusanagi im Cyberspace Sex mit zwei Frauen hat, war nämlich in früheren Ausgaben zensiert. Erst 2017 wurde sie ungekürzt veröffentlicht. Der Film feierte am 18. Oktober 1995 auf dem Tokyo International Film Festival Premiere. Später beeinflusste er zudem die Wachowskis bei Matrix.

Cowboy Bebop: Faye Valentine (1998)

Faye Valentine gehört zur Kopfgeldjäger-Crew der Bebop. Sie trägt meist ein knappes Outfit aus leuchtend gelben Hotpants und passendem Top, gelegentlich auch einen Bikini. Sie wirkt wie 22 oder 23, ist laut Serie aber rund 77 Jahre alt. Denn sie war nach einem Unfall 54 Jahre eingefroren.

Nach dem Aufwachen hatte sie deshalb riesige Schulden und keine Erinnerung an ihr früheres Leben. Selbst der Nachname „Valentine“ stammt nur von dem Arzt, der sie aufgeweckt hat. Hinter der harten Fassade steckt also eine verletzliche Frau, die ihre Herkunft Stück für Stück aufdeckt. Die Serie lief ab dem 3. April 1998 auf TV Tokyo und später im Nachtprogramm von WOWOW. In Deutschland zeigte MTV sie dann vom 8. Januar bis 2. April 2003.

One Piece: Nico Robin

Nico Robin ist Archäologin aus Ohara. Beim Eintritt in die Strohhutbande ist sie 28 Jahre alt und damit damals das älteste Crewmitglied. Ihre Geschichte ist zudem dramatisch: Als Kind verlor sie ihre Heimat und wurde zur Gejagten. Danach überlebte sie jahrelang in kriminellen Organisationen, zuletzt bei Baroque Works. Erst als die Strohhüte für sie der Weltregierung den Krieg erklären, findet sie Menschen, die sie nie verraten würden. Diese Mischung aus ruhiger Erwachsenen-Ausstrahlung und tragischer Vergangenheit macht sie deshalb zu einer der erwachsenen Heldinnen der Serie.

Dragon Ball: Bulma

Bulma ist Gokus erste Freundin, Wissenschaftlerin und Tochter von Dr. Brief, dem Gründer der Capsule Corporation. Später wird sie die Ehefrau von Vegeta und Mutter von Trunks. Für erwachsene Fanart sind deshalb vor allem die späteren Handlungsbögen relevant, in denen sie als erwachsene Erfinderin auftritt.

Naruto: Tsunade

Tsunade, die Fünfte Hokage, ist im Manga über fünfzig. Trotzdem hält sie ihr Aussehen einer Frau in den Zwanzigern mit einer Verwandlungstechnik aufrecht. Sie ist außerdem die Enkelin des Ersten Hokage und eine der legendären Sannin. Ihr Erwachsenenstatus ist im Kanon damit eindeutig festgelegt.

Anime nackt ohne Zensur: TV-Fassung, AT-X und Blu-ray

Wer Ecchi im japanischen Fernsehen schaut, kennt die Tricks: Lichtstrahlen, Dampf, Schatten oder zufällig platzierte Gegenstände verdecken Haut. Typisch ist das vor allem für frei empfangbare Sender. Der Grund liegt allerdings nicht nur bei den Sendern, sondern im Strafrecht. Artikel 175 des japanischen Strafgesetzbuchs von 1907 verbietet nämlich den Vertrieb „obszöner“ Inhalte.

Weil der Begriff im Gesetz nicht definiert ist, haben ihn Gerichte über Jahrzehnte ausgelegt. 2004 kam es schließlich zum ersten Obszönitätsprozess gegen einen Manga in Japan. Es ging um die Manga-Anthologie Misshitsu, denn die Zensurbalken dort galten als zu dünn.

Die wichtigste Adresse für unzensierte Erstausstrahlungen ist dagegen AT-X. Der Pay-TV-Sender, kurz für Anime Theatre X, sendet seit dem 24. Dezember 1997 per Satellit, Kabel und IPTV. Außerdem gehört er über TV Tokyo Medianet zur TV-Tokyo-Gruppe. Die Betreibergesellschaft AT-X, Inc. wurde am 26. Juni 2000 gegründet. Seit Oktober 2009 gibt es AT-X zudem auch in HD.

Viele Adaptionen aus dem Magazin Comic Gum liefen hier zuerst. Weil AT-X ein Premiumkanal ist, zeigt er von mehreren Serien unzensierte Fassungen. Im frei empfangbaren Fernsehen würden diese dagegen wegen ihres freizügigen Inhalts verdeckt. Häufig läuft eine Serie also zuerst auf AT-X und erst danach in zensierter Form auf anderen Sendern.

Der zweite Weg ist die Disc. Auch beim Manga gibt es späte Wiedergutmachung: Die zensierte Kusanagi-Szene aus Ghost in the Shell erschien erst 2017 ungekürzt. Bei The Woman Called Fujiko Mine erschien die Serie zum Beispiel am 19. September 2012 bei VAP als DVD- und Blu-ray-Box. Die Blu-ray schaffte es in ihrer ersten Woche auf Platz neun der Oricon-Charts. Eine Grenze bleibt allerdings auch dort. Bei Hentai für den japanischen Markt sind Genitalien immer mit Mosaik versehen, denn Artikel 175 gilt für jedes Medium.

Fanart und Doujin-Kultur: Pixiv, Rule 34 und der Comic Market

Ein großer Teil von anime nackt entsteht gar nicht in den Studios, sondern bei den Fans. Die wichtigste Plattform dafür ist Pixiv. Programmierer Takahiro Kamitani startete die japanische Künstler-Community am 10. September 2007 als Beta. Schon nach 19 Tagen hatte sie über 10.000 Nutzer.

Anders als DeviantArt erlaubt Pixiv auch explizite Inhalte. Allerdings sind die Genitalien zensiert, um dem japanischen Recht zu entsprechen. Solche Werke trennt Pixiv außerdem über zwei Filter vom übrigen Inhalt. Diese Filter kannst du in deinem Profil ein- oder ausschalten. Über Tags organisieren sich zudem spontane Themenwochen. Seit 2007 gibt es auf Pixiv darüber hinaus eigene Bereiche für Künstler, die auf dem Comic Market ausstellen.

Im Westen läuft dasselbe Prinzip dagegen unter Rule 34. Der Satz geht auf einen Webcomic vom 13. August 2003 zurück. Die Bildunterschrift lautete „Rule #34 There is porn of it. No exceptions.“. Gezeichnet hat ihn Peter Morley-Souter alias TangoStari. Später landete die Regel auf der 4chan-Liste der „Rules of the Internet“. 2013 bezeichnete CNN sie schließlich als die wahrscheinlich bekannteste Internetregel. Gemeint ist also erotische Fan-Kunst zu ursprünglich nicht erotischen Figuren. Anime-Heldinnen gehören dabei zu den häufigsten Motiven.

Das Herz der Doujin-Szene ist der Comic Market, kurz Comiket. Gegründet wurde er von den Studenten Teruo Harada, Jun Aniwa und Yoshihiro Yonezawa. Die erste Ausgabe hatte zunächst rund 70 Besucher. Heute findet er zweimal im Jahr statt, im August und im Dezember, jeweils über drei Tage. Er gilt deshalb als größte Fan-Convention der Welt.

Seit 2007 kommen zur Winter-Ausgabe rund 500.000, zur Sommer-Ausgabe rund 560.000 Besucher. Im Mittelpunkt stehen vor allem Dōjinshi, also selbst verlegte Fan-Mangas, die von Zirkeln gezeichnet werden. Wirtschaftlich ist das allerdings meist Liebhaberei: 70 Prozent der Zirkel machen Verlust, nur 15 Prozent Gewinn. Bei der Comiket 84 kamen außerdem 57 Prozent der Zirkel von Frauen.

Anime nackt in Deutschland: FSK 18, Publisher und legale Quellen

In Deutschland prüft die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) die Altersfreigabe von Filmen, DVDs und Blu-rays. Ihr Sitz ist in Wiesbaden. Die höchste Stufe ist das rote Kennzeichen „Keine Jugendfreigabe“, umgangssprachlich also FSK 18. Bekommt ein Titel keine FSK-Freigabe, kann die Juristenkommission der SPIO prüfen, ob strafrechtlich relevante Inhalte vorliegen. Ist das nicht der Fall, trägt der Titel das Etikett „SPIO/JK“. Für Fans heißt das deshalb: Freizügige Anime erscheinen hierzulande ganz regulär, aber mit Altersprüfung beim Kauf.

Bei den deutschen Publishern lohnt sich außerdem ein genauer Blick. Kazé gehört heute zu Crunchyroll und hat unter anderem die Lupin-III-Filme rund um Fujiko lizenziert. Die drei OVA-Filme ließ Kazé zunächst 2020 von der FSK prüfen. Im Dezember 2021 folgte dann die Lizenz für The Woman Called Fujiko Mine.

peppermint anime sitzt dagegen in München und entstand 2012. Der Publisher vertreibt Anime auf DVD, Blu-ray und über die eigene Plattform AkibaPass TV. Diese kam im November 2022 schließlich unter neuem Namen zurück. Animoon Publishing wurde dagegen am 18. August 2016 in Potsdam gegründet. Der Publisher bringt Anime auf Disc, ins Kino, ins Fernsehen und in Streamingdienste.

Legal streamen kannst du vor allem bei Crunchyroll, AkibaPass TV und den großen Plattformen. Achte beim Kauf von Discs außerdem auf das FSK-Kennzeichen auf der Hülle. Dann weißt du sofort, welche Altersfreigabe der Titel hat.

Vom Bildschirm zur Figur

Wenn du Anime liebst, kennst du das Gefühl: Es gibt diese eine Heldin, die dir nach dem Abspann nicht mehr aus dem Kopf geht. Du hast ihre Szenen immer wieder angesehen, ihre Fanart gesammelt und auf die nächste Folge gewartet. Doch am Ende war sie jedes Mal wieder verschwunden. Vielleicht ist es Tsunade mit ihrem selbstbewussten Blick, vielleicht aber auch Android 18 mit ihrer kühlen Ausstrahlung.

Mit der Tsunade Figure oder der Android 18 Figure holst du sie deshalb aus dem Bildschirm zu dir nach Hause. Bei den nackten Animefiguren wartet zudem vielleicht genau die Heldin, an die du gerade denkst. Such sie dir also aus, leg sie in den Warenkorb und mach sie zu deiner. Beim nächsten Abspann muss sie schließlich nicht mehr gehen.

Häufige Fragen zu anime nackt

Was ist der Unterschied zwischen Ecchi und Hentai?

Ecchi spielt mit Andeutungen, knappen Outfits und teilweiser Nacktheit. Es zeigt aber keinen Sex und keine Genitalien. Hentai ist dagegen explizit pornografisch und erscheint in Japan nur mit Mosaik.

Warum sind im Fernsehen Lichtstrahlen über den Szenen?

Frei empfangbare Sender verdecken freizügige Szenen mit Licht, Dampf oder Gegenständen. Der Premiumsender AT-X zeigt dagegen mehrere Serien unzensiert.

Gibt es unzensierten Hentai aus Japan?

Nicht offiziell für den japanischen Markt. Artikel 175 des Strafgesetzbuchs verlangt nämlich eine Verdeckung der Genitalien, deshalb tragen auch Discs ein Mosaik.

Welche Anime haben eindeutig erwachsene Heldinnen?

Gute Beispiele sind Lupin III mit Fujiko Mine, Ghost in the Shell mit Motoko Kusanagi und Cowboy Bebop mit Faye Valentine. Außerdem gehören One Piece mit Nico Robin, Dragon Ball mit Bulma und Naruto mit Tsunade dazu.

Wo kann ich freizügige Anime in Deutschland legal kaufen?

Am besten bei deutschen Publishern wie Kazé, peppermint anime und Animoon Publishing, also als Disc mit FSK-Kennzeichen. Alternativ streamst du bei Crunchyroll und AkibaPass TV.

Was bedeutet Rule 34?

Eine Internetregel von 2003: Zu jedem Thema gibt es erotische Inhalte. Bei Anime meint man damit also Fan-Kunst bekannter Figuren.

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